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Alpenreise 2017

Tag 1 - Anreise über die Schweiz

Wenn man schnell in die Berge will, ohne unnötige Autobahnkilometer auf den Tacho zu spulen, ist der Autoreisezug nach Feldkirch immer noch das Mittel der Wahl. Noch, denn dieses Angebot wird trotz steter Nachfrage Strecke für Strecke aus dem Programm genommen. Mir gefällt es jedenfalls, am Abend im Flachland die Augen zu schließen und ohne weiteres Zutun von Vorarlberger Dreitausendern im Morgenlicht empfangen zu werden. Auf der Autobahn geht es Richtung Chur und auf der Hauptstraße 19 Richtung Andermatt. Auf dem Oberalppass (2.044 m) begegnet man den Berggipfeln erstmals halbwegs auf Augenhöhe und nimmt sich wieder einmal vor, im nächsten Winter endlich einmal mit dem Glacier Express zu fahren. In und um Andermatt werden schon seit Jahren die Straßen aufgerissen, etwas Geduld, der Sustenpass (2.260 m) kommt bestimmt - und mit ihm die Gewissheit, dass niemand derartig perfekte Wege in die Alpen baut wie die Schweizer.

Bald nach der Passhöhe gibts eine Kehre links herum, daneben einen feinen Platz für eine Pause und ein paar Fotos. In Innertkirchen geht es links auf den Grimselpass (2,164 m). Bergauf sind gewaltige Schieferformationen zu sehen, je nach Ausrichtung schwarz glänzend oder hellgrün leuchtend. Auf der anderen Seite lockt schon Furkapass (2.429 m), sieht aus dieser Richtung wie in eine senkrechte Wand geschlagen aus. Dieser Eindruck verstärkt sich unten in Gletsch, und im nächsten Moment ist man schon dabei, die prachtvolle Straße empor zu fahren. Für den besten aller James Bond Filme - Goldfinger - wurde hier 1964 eine Verfolgungsjagd gedreht. Neben dem Belvedere wurde aus der Schotterstraße inzwischen feiner Asphalt, die eisige Zunge des Rhonegletschers hat sich aber inzwischen leider längst zurückgezogen. Drüben wird der Furka gemütlicher und man biegt rechts zum Gotthardpass (2.106 m) ab. Dort gibts eine alte und eine neue Straße, die erste Wahl ist natürlich das historische Kopfsteinpflaster! Beide Wege kreuzen sich öfters in spektakulären Winkeln. Der Nufenenpass (2.478 m) gibt sich durchwegs rustikal - kaum Verkehr, irrer Fels rundherum und zwar ziemlich bunt mit Flechten bezogen. Gemsen sehen einem beim Rauffahren zu, oben hält man beim Blick auf die Bergketten im Norden selbst den Atem an. Runter ist es dann nimmer weit nach Obergoms, man kann dort sehr gut im Hotel Ahorni nächtigen.

Der nette Teil Richtung Westen ist vorerst leider ohnehin vorbei, denn das Schweizer Rhonetal ist im Kontrast zu diesen Eindrücken eher trist, der Frachtverkehr tut sein übriges. Aber wenn man schon dort ist, kann man auch das Matterhorn einbauen. Für den besten Blick auf diesen schönsten Berg der Welt fährt man mit der gleichnamigen Bahn zum Gornergrat hinauf - sofern einem nicht die Wolken den ganzen Spaß verderben.

Nachdem die Route des Grandes Alpes am Genfer See losgeht, ist es für einen Queen Fan natürlich Pflicht, in Montreux die Statue von Freddie Mercury zu besuchen. Die Autos, die einem am französischen Ufer entgegenkommen, lassen sich mitunter wie als Versprechen auf zwei Tage im Gebirgsparadies verstehen! Sie lenken auch davon ab, dass auf der Schweizer Seite alles viel gepflegter wirkt - aber man kennt das ja schon aus Asterix.

Und schon geht es los, den 0 Kilometer-Stein in Thonon-les-Bains kann man besuchen oder auch nicht, Quartiere gibt es in großer Zahl. Unser Hôtel & Restaurant Le Bois du Seigneur hat sich als ausgezeichnete Alternative erwiesen - 50km näher am ersten von den kommenden 9 Pässen dran zu sein dürfte jedenfalls kein Fehler gewesen sein!